Folge 69: End-of-history illusion oder die Illusion vom Ende der Geschichte

Schatten am Ende des Tunnels
Menschen unterschätzen zukünftige Veränderungen aber auch die eigene Wandlung dramatisch – wie Studien zeigen.

Die Autoren der Studie erklären die „Ende der Geschichte„-Illusion zum einen damit, dass die meisten Menschen glaubten, ihre aktuelle Persönlichkeit sei ansprechend, ihre Werte bewundernswert und ihre Vorlieben vernünftig.

„Und nachdem sie diesen erhabenen Zustand erreicht haben, zögern sie, über mögliche Veränderungen nachzudenken.“

Die Persönlichkeit und die Werte ändern sich jedoch im Laufe der Zeit und damit ändern sich die Prioritäten bis hin zur Weltanschauung. Doch unabhängig vom Alter glauben die meisten, bei ihnen sei die Entwicklung nahezu beendet und nur noch Nuancen anzupassen – zu Unrecht, wie eine Studie mit rund 19.000 Teilnehmern belegt.

In einer Zeit, in der die Veränderungsgeschwindigkeit meines Umfelds exponentiell steigt, wird dies zur doppelten Falle.

Die Ergebnisse mehrerer Tests zu Persönlichkeit, Werten und Vorlieben lassen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Im Schnitt nehmen die Befragten an, dass sie sich in den kommenden zehn Jahren weit weniger verändern werden als im vergangenen Jahrzehnt.

Dies gilt nach Aussage von Jordi Quoidbach von der Harvard University durchweg für alle befragten Altersgruppen der oben erwähnten Studie, die zwischen 18 und 68 Jahren alt waren, was mich überrascht hat.

In einem griffigen Experiment zeigten die Forschen, wie die „Ende der Geschichte“-Illusion auch zu Fehlentscheidungen führen kann: Die Hälfte der Teilnehmer sollte angeben, wie viel Geld sie jetzt ausgeben würden, um in der kommenden Woche ein Konzert der Band zu sehen, die vor zehn Jahren ihre Lieblingsgruppe war – es waren rund 80 Dollar.

Die andere Hälfte gab an, wie viel Geld sie jetzt in ein Ticket investieren würden, um einen Auftritt ihrer heutigen Lieblingsband in zehn Jahren besuchen zu können. Hier investierten die Befragten im Schnitt 129 Dollar.

Die Teilnehmer waren also bereit, über 50% mehr auszugeben, um in der Zukunft eine gegenwärtige Vorliebe zu genießen.

Natürlich ist eine Prognose oder Voraussage etwas völlig anderes als ein Bericht über Vergangenes. Aber genau das ist ja das Argument der Forscher warum Menschen zukünftige Veränderung als auch die eigene Wandlung dramatisch unterschätzen.

Vor wenigen Tagen war der 10 Geburtstag des iPad, das zunächst ähnlich belächelt wurde wie das iPhone. Hätten die meisten sich vorstellen können, wie dieses Ding die Welt und den damals stabilen PC-Markt verändern wird? Nein!

Neulich war ich nach nur 3 Jahren in einer Stadt, in der ich viele Jahre meines Lebens verbracht habe, und war überrascht wie sich – nun ja – eigentlich alles irgendwie verändert hat. Und, wie sich manches, doch von meinen Erinnerungen unterscheidet. Es war schon faszinierend, auch weil ich mich halt mit der End-of-history Illusion beschäftigt habe.

Wenn ich mir heute Fotos von mir anschaue, die eher 20 Jahre alt sind als 10, dann wird umso mehr deutlich, dass ich damals ein völlig anderer war. Klingt ein wenig pathetisch trifft bei Tieferem darüber nachdenken aber wohl eher zu.

Damit ist die Frage: Warum bitteschön soll sich das für die kommenden 10 Jahre anders darstellen als für die vergangenen 10 Jahre? mehr als berechtigt.

Das führt zu der Frage: was ist, wenn ich mich nicht verändert habe? Ist das dann ein Problem?

Meine Antwort: Ja, das ist es.

Weil – panta rhei ‚alles fließt‘ – und, es heißt „Survival of the fittest“, den Anpassungsfähigsten, also denen, die adaptive mitfliesen.

Damit bekommt auch das in Folge 24 vorgestellt Konzept von Suzy Welch – 10/10/10 – eine neue Gewichtung.

Suzy Welch schlägt vor, bei wichtigen Entscheidungen die Konsequenzen in 10 Minuten, 10 Monaten, 10 Jahren zu berücksichtigen.

Ganz konkret:

was passiert, wenn ich meinen Job kündige in 10 Minuten, in 10 Monate, in 10 Jahren?

Aber auch:

was passiert, wenn ich meinen Job NICHT kündige in 10 Minuten, in 10 Monate, in 10 Jahren?

Hören Sie einfach noch mal in Folge 24 rein und lesen den Artikel der Zeitschrift „impulse“ dazu „So treffen Sie die richtigen Entscheidungen“ – Link….

Doch zurück zu der „Illusion vom Ende der Geschichte“

In Zeiten, mit diesen eher hohen Innovationsgeschwindigkeiten in nahezu allen Bereichen des Lebens halte ich dieses Ergebnis der Forschungen von Quoidbach, Gilbert und Wilson für eine extrem gute Nachricht.

Warum? Weil meine Gedanken, dass ich mich kaum noch verändere – und damit NICHT an die veränderten Gegebenheiten anpasse – eine Illusion sind.

Ich verfüge quasi automatisch über die Fähigkeit mich zu Verändern – so wie ich das in den letzten 10 Jahren getan habe, so wird mir das auch in Zukunft gelingen – wow, wie befreiend und wie ermutigend ist das?

Dan Gilbert: The psychology of your future self

https://www.ted.com/talks/dan_gilbert_the_psychology_of_your_future_self?language=de#t-158139

So treffen Sie die richtigen Entscheidungen

https://www.impulse.de/management/selbstmanagement-erfolg/10-10-10-methode/7304898.html

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